Blitzlicht auf: Nathan Hill – Geister

Nathan hill - GeisterNathan Hill hat einen 860 Seiten starken Debütroman geschrieben, der es in sich hat.

Durch einen Anruf wird der zurückgezogene, vom Unialltag und privaten Beziehungen enttäuschte und immer mehr in Onlinegamewelten abtauchende Literaturprofessor Samuel aufgeschreckt: Seine Mutter Faye, die ihn als elfjährigen Jungen von heute auf morgen verlassen und fortan jeden Kontakt vermieden hat, wartet nach einer Attacke auf einen populären Politiker auf ihren Prozess. Samuel soll nun für sie sprechen. Keine leichte Aufgabe, ist sie doch das Trauma seiner Kindheit. Da sie auch fortan jede Auskunft verweigert, macht sich Samuel auf die Suche nach Informationen und findet Überraschendes aus ihrer Vergangenheit heraus.

Das Buch spielt auf verschiedenen Zeitebenen. Die Gegenwartsebene ist dabei das Jahr 2011, die Studentenunruhen aus Fayes Universitätsjahren datieren zurück ins Jahr 1968 und Fayes Kindheit liegt in den 50er und 60er Jahren.

Nathan Hill schafft ein beeindruckendes Gesellschaftsporträt der USA dieser Zeit. Die Fülle an Themen, die er anschneidet, die Vielfältigkeit der Kritik, die immer wieder an bestimmten Phänomenen, z.B. den heutigen Medien oder auch die amerikanische Art des Wahlkampfes,  geübt wird, ist kaum überschaubar. Trotz all dieser gut in die Handlung integrierten Gesellschaftskritik ist allerdings ein anderer Punkt weit bedeutungsvoller für den Roman. Es geht auch und vor allem, wie zu Beginn dieser Rezension angesprochen, um die Entscheidungen, die wir immer wieder in unserem Leben treffen müssen. Um die Unausweichlichkeit, die Bedeutung, die sie auch für das Leben anderer besitzen, aber auch wie wenig wir manchmal auch tatsächlich die Wahl besitzen. Wie viele Identitäten kann ein Mensch besitzen, und lassen wir uns manchmal zu leicht in nur eine davon pressen?

Nathan Hill schafft es, diese Themenfülle in einen gut lesbaren, stellenweise sehr witzigen, kritischen und geschickt konstruierten Roman zu packen. Am Ende ist vielleicht ein wenig zu viel Happy-End, aber bis  dahin wurde man wunderbar unterhalten.

Rezension: Nathan Hill – Geister

Autor: literaturreich

"Bücher müssen mit ebenso viel Überlegung und Zurückhaltung gelesen werden, wie sie geschrieben wurden" Henry David Thoreau

2 Kommentare zu „Blitzlicht auf: Nathan Hill – Geister“

  1. Liebe Petra,
    eine tolle Leseempfehlung!!! Ich habe mir den Roman zu Weihnachten gewünscht und bin schon sehr gespannt.
    John Irving hat jüngst gesagt, dass er Nathan Hill für einen der besten literarischen Newcomer hält. Das spricht ja schon mal für sich.
    Liebe Grüße
    Rosa

    Gefällt 1 Person

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