Kim Thúy – Der Klang der Fremde

 

Kim Thúy - Der Klang der FremdeEin kleines, ein zartes Buch, das doch so viel Leid und Schicksalsschläge enthält. Es erzählt von einem vietnamesischen Mädchen, eng angelehnt an die Autorin selbst, das als Tochter einer reichen und auch politisch einflussreichen Familie in allem Luxus aufwächst. Nach dem Abzug der Amerikaner wird die Familie von den siegreichen Nordvietnamesen verfolgt und drangsaliert bis ihnen schließlich die Flucht nach Malaysia gelingt. Sie sind jene Boat People, die Ende der Siebziger Jahre in Massen die gefährliche Fahrt über das Meer wagten und sie oft nicht überlebten. Die Familie der Erzählerin schafft es, lebt unter unsäglichen Bedingungen in einem Flüchtlingslager bis ihnen die Weiterfahrt nach Kanada gelingt, nicht zuletzt durch geschmuggelte Reichtümer. Hier gelingt es besonders den Jüngeren, ein neues Leben aufzubauen.

Die Erzählerin erzählt ihre Geschichte nicht linear und chronologisch, sondern montiert kleine Erinnerungssplitter, oft nur wenige Sätze lang, zu Prosaskizzen zusammen, die hin und her springen von der Kindheit in Vietnam, der Flucht, dem Einleben in Kanada und ihrem Leben als Mutter, u.a. eines autistischen Kindes. Sie schildert die kulturellen Differenzen nicht nur zu den Mitbürgern im Zufluchtsland, sondern auch zu den bäuerlich geprägten Landsleuten aus dem Norden, Angst und Not der Flucht und zahlreiche auch recht dramatische Schicksale dicht, bildstark und intensiv. Dabei zeichnet sie auch Schicksalsschläge und schreckliche Zeiten mit leichter Hand und zartem Humor. Besonders auffallend ist der warmherzige, dankbare Blick auf die neue Heimat Kanada. Ein Land, von dem man in Sachen Integration anscheinend so manches lernen könnte. Kim Thúy ist mit ihrem Debüt ein ebenso präzises wie poetisches kleines Kunststück gelungen, das trotz seiner Knappheit sehr berührt.

Kim Thúy – Der Klang der Fremde

Übersetzt von Andrea Alvermann, Brigitte Große

Kunstmann September 2010, gebunden, 160 Seiten, 14.90 € 

 

Autor: literaturreich

"Bücher müssen mit ebenso viel Überlegung und Zurückhaltung gelesen werden, wie sie geschrieben wurden" Henry David Thoreau

1 Kommentar zu „Kim Thúy – Der Klang der Fremde“

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