Nachdem die Welt von Gestern untergegangen war

Stefan und Lotte Zweig

Am heutigen 22. Februar, im Jahr 1942 schied der große Humanist und Pazifist, der erfolgreiche und gefeierte Schriftsteller Stefan Zweig in seinem Exil, der fast ein wenig österreichisch anmutenden brasilianischen Stadt Petroplis, zusammen mit seiner jungen Frau Lotte aus dem Leben – in manchen Nachschlagewerken wird auch der 23. Februar, der Tag der Ausstellung des Totenscheins genannt.

Ehemaliges Wohnhaus von Stefan Zweig in Petropolis By Andreas Maislinger [CC BY-SA 3.0 de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)%5D, via Wikimedia Commons
Angesichts seines Freitodes kursierten schon immer und immer wieder wilde Spekulationen, vom Mord durch Naziagenten bis zu sexuellen Problemen geistern die Vermutungen. Ich erinnere mich noch an eine frühe Lektüre seines Erinnerungsbuchs „Die Welt von Gestern“. Dieses ist so durchsetzt mit Melancholie und wörtlich genommenem Weltschmerz, dass mich der Freitod nie verwunderte, trotz materieller Sicherheit, Erfolg, Liebesglück und einem idyllischen Exilort. Er hat mich nur damals als junges Mädchen genauso erschüttert, wie er es auch heute noch tut.

Abschiedsbrief Stefan Zweigs
Abschiedsbrief Stefan Zweigs, via Wikimedia Commons

 

„Ich grüße alle meine Freunde! Mögen sie die Morgenröte noch sehen nach der langen Nacht! Ich, allzu Ungeduldiger, gehe ihnen voraus.“

schreibt er in seinem Abschiedsbrief. Und früher in einem Brief an einen Freund

„Unsere Welt ist zerstört und das Grauenhafte kommt erst nach dem Kriege, wenn der jetzt wehrlose Hass in den Ländern sich Klasse gegen Klasse, Mensch gegen Mensch wendet.

Wer Stefan Zweig große historische Biografien kennt, weiß, welch entschiedener Humanist er war, wie leidenschaftlich er für die geistige Einheit Europas eintrat, seines alten Europas. Wer sie nicht kennt, dem lege ich vor allem sein Werk über Erasmus von Rotterdam ans Herz. Den Untergang dieses geliebten Europas, seiner moralischen und geistigen Werte, das ist ein Schmerz, der unter Umständen auch töten kann.

Gerade heute, wo diese Werte, wo diese Einheit Europas wieder so gefährdet ist, wie man nie geglaubt hätte, ist es wichtig, auch an seine großen Verfechter zu erinnern. Stefan Zweig war einer davon.

Siehe auch in „Die Presse“ : Stefan Zweig – Die geistige Einheit Europas

Autor: literaturreich

"Bücher müssen mit ebenso viel Überlegung und Zurückhaltung gelesen werden, wie sie geschrieben wurden" Henry David Thoreau

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