Lektüre Dezember 2017

Das neue Jahr ist schon wieder mehr als eine Woche alt, aber ich möchte doch noch meine im Dezember gelesenen Bücher nachreichen.

Der Lesemonat war geprägt von der Lektüre zum Bloggerpreis „Das Debüt“, in dessen Jury ich mitwirkte. Fünf Bücher standen auf der Shortlist, die gelesen werden wollten. Julia Webers „Immer ist alles schön“ hatte ich schon im November beendet.

Das die Shortlist meinen Lesegeschmack gar nicht getroffen hat, habe ich nun schon zur Genüge betont, deswegen überrascht es wahrscheinlich auch nicht, dass mich weder der letztendliche Siegertitel, Klaus Cäsar Zehrers „Das Genie“ noch Juliana Kálnays „Eine Chronik des allmählichen Verschwindens“ ganz überzeugt haben.

Ersteres ist ein richtiger Schmöker, über 600 Seiten, flüssig und leicht lesbar geschrieben und eine ungeheuerliche Geschichte erzählend, nämlich die des angeblich intelligentesten Mannes aller Zeiten, William James Sidis, von dem nicht nur sehr wenig hier in Deutschland bekannt ist, sondern der auch Anfang des 20. Jahrhunderts einen Großteil seines Lebens als einfacher Büroangestellter in New York und Boston verbracht hat. Eigentlich eine tolle Story, aber für meinen Geschmack zu flach erzählt, immer genau die Zeitereignisse, die man erwartete, immer die Entwicklung, die man erahnte. Am wenigsten hat mir gefallen, dass Zehrer die Figuren zwar sehr ambivalent angelegt hat, sie aber schließlich irgendwie ein wenig wie Freaks vorgeführt hat, zum Amüsement der Leser. Zehrer stammt aus der Satire-Ecke, das merkt man. Der Tragik der Personen wurde das aber meiner Meinung nach nicht gerecht.

Juliana Kálnay hat ein ganz ungewöhnliches Buch geschrieben. Eine Hausgemeinschaft der merkwürdigen Art. Surreal, fantasiereich, ein wenig verschroben, hatte das einen gewissen Charme und Reiz. Am Ende fragte ich mich aber trotz allem Lesevergnügen ein wenig nach Inhalt und Sinn (und das darf man bei diesem Buch definitiv nicht).

Ganz resigniert habe ich bei Jovana Reisingers „Still halten“, der Geschichte einer Frau am Rande des Wahnsinns und/oder der Depression – so ganz klar wurde in diesem Buch nichts. In seiner Konsequenz in Sprache und Inhalt hat mich das Buch durchaus beeindruckt, aber ich habe es über große Strecken nur quergelesen. Etwas, das ich normalerweise nie tue. Definitiv kein Buch für mich.

Zum Glück war wenigstens ein Buch auf der Shortlist, für das ich überzeugt stimmen konnte: Christian Bangels „Oder Florida“. Die Geschichte eines jungen Mannes aus Frankfurt/Oder in den Nachwendejahren war amüsant, politisch, interessant. Ein gelungenes Debüt!

Neben meiner „Pflicht“ habe ich immer wieder auch ein wenig „Kür“ gelesen. Und da waren einige tolle Bücher dabei.

 

 

David Constantine - Wie es ist und wa

Allen voran David Constantines Erzählungsband „Wie es ist und war“ – ein mir bislang völlig unbekannter britischer Autor, der mich mit seinen ruhigen, melancholischen Geschichten sehr begeistern konnte.

 

Betty Smith - Ein Baum wächst in Brooklyn

 

 

Auch eine tolle (Wieder)Entdeckung: Betty Smiths „Ein Baum wächst in Brooklyn“, die bewegende Entwicklungsgeschichte eines kleinen Mädchens zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis in ihre Erwachsenenjahre. Sehr schön zu lesen!

 

 

Alexander Gorkow erzählt in „Hotel Laguna“ von seinen Kindheitsurlauben in den 60er und 70er Jahren mit der Familie auf Mallorca, von seinem verstorbenen Vater und seiner Rückkehr 2015 an diesen Ort. Erinnerungen und Reflexionen über den Tourismus damals und heute. Besonders schön für Zeitgenossen.

 

 

 

Ein neuer Band aus der Serie des „Hogarth Shakespeare Projekts“: „Dunbar und seine Töchter“. Edward St. Aubyn erzählt mit bissig-satirischem Humor die Geschichte von King Lear neu. King Lear ist in St. Aubyns Version ein alternder Medienmogul, den seine machtgierigen Töchter entmündigt in ein Luxussanatorium abschieben wollen. Sie haben die Rechnung aber ohne die Tochter aus zweiter Ehe und den Widerstand des Vaters gemacht. Wie alle Bände der Reihe am überzeugendsten im direkten Bezug auf das Original. Für sich alleine stehend ein wenig überzogen erzählt.

 

Und ein Thriller zum Jahresende: Viet Thanh Nguyens „Der Sympathisant“ erzählt sehr spannend, lehrreich und gleichzeitig amüsant von einem vietnamesischen Doppelagenten während des Vietnamkriegs. Hat mir sehr gefallen.

 

 

 

 

Nun warten schon die ersten Frühjahrsneuerscheinungen. Ich bin gespannt, habe aber auch noch einiges aus 2017 hier liegen. Die Leseabenteuer gehen weiter!

 

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