Frankfurter Buchmesse 2018 – Pressekonferenz mit Chimamanda Ngozi Adichie und ein erster Blick in den Ehrengastpavillon

Die Frankfurter Buchmesse, die heute Abend feierlich eröffnet wird, bat am Vormittag die Presse zu einer Konferenz mit dem Direktor der Messe, Jürgen Boos und dem Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Heinrich Riethmüller.

Star der Veranstaltung war aber natürlich die nigerianische Autorin Chimamanda Ngozi Adichie. Die 1977 geborene Schriftstellerin, die heute teils in Nigeria, teils in den USA lebt, ist bekannt durch ihre Romane „Purple Hibiscus“ und „Americanah“, in dem sie von den Erfahrungen junger Nigerianer in der Zerrissenheit zwischen Afrika und den USA erzählt und der von der 2015 von der BBC-Auswahl der besten 20 Romane von 2000 bis 2014 zu einem der bislang bedeutendsten Werke dieses Jahrhunderts gewählt wurde.

Adichie ist außerdem Feministin. Mit ihrer Veröffentlichung „We should All be Feminists“ hat sie einiges an Aufsehen erregt und ist gern gesehene Rednerin zu diesem Thema.

Jürgen Boos, der in seiner Einführungsrede die mangelnde Gesprächsbereitschaft verschiedener Gruppen der Gesellschaft beklagte, begrüßte Adichie als eine Autorin, die sich immer auch mit den Gefahren einseitiger Geschichten und Darstellungsweisen auseinandergesetzt hat. Durch die Verengung der Perspektive auf nur eine von vielen möglichen Geschichten entstehen Vorurteile und Klischees, wie beispielsweise das Bild von Afrika, das vornehmlich durch seine negative Seiten bestimmt wird. Boos begrüßt es von daher, dass dieses Jahr ein deutlicher Afrika-Schwerpunkt auf der Messe vertreten sein wird. 34 afrikanische Verlage aus 19 Ländern sind vertreten.

Chimamanda Ngozi Adichie legte in ihrer mitreißenden, sehr persönlichen Rede wie erwartet einen Schwerpunkt auf die Frage der Wahrnehmung der Frau in der Gesellschaft. Sie erzählte von der Kirche, die sie mit ihrer Familie als Kind gern und oft besuchte, und die sie als warmen, progressiven, Willkommen heißenden Ort in Erinnerung hatte. Später wechselte der Priester und sie hörte, dass dieser Frauen nicht länger als Menschen, sondern als „Körper“ betrachte. Und tatsächlich, bei einem geplanten Besuch dieser Kirche ihrer Kindheit wurde ihr der Eintritt verwehrt, weil die Ärmel ihrer Bluse zu kurz seien. Sie zeige zuviel Arm. Eine Situation, die sie verstörte. Männer, die Frauen kontrollieren wollten. Und wozu? Um Männer vor sich selbst zu schützen? Sie schrieb damals einen Artikel über diesen Vorfall und war überzeugt, dadurch Empörung auszulösen. Aber nichts passierte. Alle dachten wohl: Was will diese junge Frau.

Dennoch war ihr klar, nicht länger schweigen zu dürfen. Trotzdem möchte sie sich nicht als „Aktivistin“ bezeichnen, wie das oft geschieht. Aktivisten sind für sie Menschen, die ihr Leben riskieren, zum Beispiel in ihrem Heimatland Nigeria. Sie ist Schriftstellerin, Künstlerin und von daher ihrer Kunst verpflichtet. Aber sie ist auch Bürgerin und damit verantwortlich für Wahrheit und Gerechtigkeit. Und beides ist für sie nicht zu trennen. Wohlmeinende Ratschläge, sich nicht zu sehr in politische Angelegenheiten, zum Beispiel die Verfolgung Homosexueller in Nigeria, einzumischen, weist sie von daher von sich. Gerade in den heutigen Zeiten, die sie als „world that´s shifting, changing, darkening“. Wir brauchen eine Zeit des Mutes. Neue Geschichtenerzähler. Und Männer, die auch mal Bücher von Frauen lesen, weil Frauen nicht immer nur Familiengeschichten erzählen, weil ihre Geschichten auch universell sind. Viel zu oft sind Frauen immer noch unsichtbar.

Dann das Bekenntnis: „Literature is my religion.“ Politische Geschichten sind notwendig, aber genauso notwendig sind die Geschichten, die einfach nur schön sind. Ein Plädoyer für alle Geschichten, denn alle Geschichten sind sinnvoll.

Eine tolle Rede, eine tolle Schriftstellerin, eine tolle Frau.

Anschließend wurde noch der georgische Gastland-Pavillon präsentiert. Hier erste Eindrücke.

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Gehören die zweifarbigen Schuhe zur georgischen Tracht?

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