Daniel Kehlmann – Tyll

Tyll – prangt in großen, etwas ungelenken Lettern in grellem Orange über einem Mummenschanzbild von Francisco Goya. Das Cover lenkt den Leser sofort auf die Spur von Till Eulenspiegel, jenem legendären Schalk und Narren, der im 14. Jahrhundert seine geistreichen, oft auch derben Späße machte, die in der vermutlich 1510 erstmals veröffentlichten Sammlung „Ein kurtzweilig lesen von Dyl Ulenspiegel“ bis heute populär sind.

Liest man weiter im Klappentext, erfährt man aber eine leichte Verunsicherung. Vom 17. Jahrhundert ist hier die Rede, vom Dreißigjährigen Krieg, in dem das Buch spielt. „Daniel Kehlmann – Tyll“ weiterlesen

So etwas wie ein Geburtstag – und ein Dankeschön

Liebe Leser von LiteraturReich,

regelmäßige, eifrig kommentierende, gelegentlich vorbeischauende oder auch neu hinzugekommene,

trübe, kalte Novembertage, Stapel neuer und vergangener Verlagsvorschauen, reichlich zu lesende Lektüre und mannigfaltige Eindrücke von der vergangenen Frankfurter Buchmesse – dieses Szenario vor ungefähr einem Jahr begleitete die Erstellung dieses Blogs.

Trübe, kalte Novembertage, Stapel neuer und vergangener Verlagsvorschauen, reichlich zu lesende Lektüre und mannigfaltige Eindrücke von der vergangenen Frankfurter Buchmesse – erinnern mich daran, dass hier so etwas wie ein Geburtstag gefeiert werden sollte. „So etwas wie ein Geburtstag – und ein Dankeschön“ weiterlesen

Richard Russo – Ein Mann der Tat

Der US-amerikanische Autor Richard Russo wurde in Deutschland erst in den letzten Jahren so richtig bekannt. Sein 2010 bei Dumont erschienener, übrigens großartiger Roman „Diese alte Sehnsucht“ ging noch relativ unter. Erst mit der Veröffentlichung von „Diese gottverdammten Träume“, der breites Kritikerlob und mediale Öffentlichkeit bekam, aber auch die Herzen vieler LeserInnen eroberte, wurde er hierzulande richtig populär. „Richard Russo – Ein Mann der Tat“ weiterlesen

Das Debüt 2017 – Bloggerpreis #1 – Meine persönliche Shortlist + UPDATE Die offizielle Shortlist

Im vergangenen Jahr 2016 wurde von Bozena Anna Badura, Janine Hasse und Sarah Jäger, die gemeinsam das Blog „Das Debüt“ führen, zum ersten Mal ein Preis für einen Debütroman ausgelobt, und zwar ein reiner Bloggerpreis, der von interessierten Bloggerkollegen aus einer von den Initiatorinnen zusammengestellten Shortlist ausgewählt wurde. „Das Debüt 2017 – Bloggerpreis #1 – Meine persönliche Shortlist + UPDATE Die offizielle Shortlist“ weiterlesen

Volker Kutscher – Moabit

Volker Kutschers Romane aus dem Berlin der Zwanziger und Dreißiger Jahre rund um den Kriminalkommissar Gereon Rath und Charly Ritter sind mittlerweile fast ein wenig Kult. Seit diesem Frühjahr gibt es zusätzlich zu den mittlerweile erschienenen sechs Bänden eine von Arne Jysch illustrierte Graphic Novel von „Der nasse Fisch“ und die gerade angelaufene Fernsehserie „Babylon Berlin“, die auf den Büchern beruht, zeichnet als die bislang teuerste Fernsehproduktion und erlangte gewaltige Medienaufmerksamkeit obwohl sie bislang nur auf dem Bezahlsender Sky läuft. „Volker Kutscher – Moabit“ weiterlesen

Lektüre Oktober 2017

Oktober ist wie immer der Buchmessenmonat. Paradoxerweise immer ein Monat, in dem besonders wenig gelesen wird. Vorbereitungen, vorzuholende Arbeit, Planungen und die vielen Veranstaltungen sind meist ein Grund für viel zu wenig Lesezeit. Aber da sich der Monat ja um Bücher und Autoren dreht, ist das zu verschmerzen. „Lektüre Oktober 2017“ weiterlesen

Mohsin Hamid – Exit West

Laut UN sind weltweit mehr als 65 Millionen Menschen auf der Flucht. Sei es vor Kriegen, Terror, politischen Verfolgungen, sexuellen Diskriminierungen, aus purer Not oder Perspektivlosigkeit, diese Menschen zieht es in den Westen, manchmal trotz Vorbehalten gegenüber den dort herrschenden Werten und der Lebensweise dort, immer aber mit der großen Hoffnung, ein besseres, ein erfüllteres Leben zu finden. Auch wenn die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit nicht mehr so groß ist wie in den Jahren 2015/2016, als sich besonders viele Menschen aus dem Nahen Osten und dem nördlichen Afrika aufmachten, ihr Glück in Europa zu suchen, beherrscht das Thema die Nachrichten im Fernsehen und den Printmedien, bestimmt es Wahlkämpfe mit, entzweit es die Bevölkerungen der westlichen Staaten darüber, wie umzugehen ist mit diesem Phänomen, das nicht einfach verschwindet, das sich als eine feste Konstante des globalisierten 21. Jahrhunderts festzusetzen scheint. „Mohsin Hamid – Exit West“ weiterlesen

Madeleine Thien – Sag nicht wir hätten gar nichts

„Die Internationale“, jenes „Kampflied der sozialistischen Arbeiterbewegung“, das die Einheit der Arbeiter über alle Ländergrenzen hinweg beschwört, existiert selbst in unzähligen nationalen Textfassungen, die voneinander jeweils nicht unerheblich abweichen können. Ursprünglich stammt der Text von Eugène Pottier, der ihn 1871 nach dem Fall der Pariser Kommune verfasste. In der bekanntesten deutschen Version von 1910 heißt es, neben der allseits bekannten Zeile „Völker hört die Signale, Auf zum letzten Gefecht! Die Internationale erkämpft das Menschenrecht“, am Ende der ersten Strophe: „Ein Nichts zu sein, tragt es nicht länger/Alles zu werden, strömt zuhauf!“ (im Original: „Nous ne sommes rien, soyons tous“). „Madeleine Thien – Sag nicht wir hätten gar nichts“ weiterlesen

Lektüre September 2017

Der Kopf war so voll mit Buchmessenvor- und -nachbereitungen, Lesungen, Neuerscheinungsflut und nicht zuletzt Alltag, dass diese Mal tatsächlich der Lektürerückblick für den September vergessen ging. So viele wunderbare Bücher waren dabei, dass ich das aber unbedingt nachholen möchte bevor schon wieder der Oktober dran ist. „Lektüre September 2017“ weiterlesen

Verena Boos – Kirchberg

Es ist eine Heimkehr.

Johanna kehrt nach Jahren, die sie in Berlin, New York und Italien gelebt hat, zurück in die kleine Gemeinde im Schwarzwald, in der sie bei ihren Großeltern aufgewachsen ist. Das alte Schulhaus steht nach dem Tod der Großeltern schon ein paar Jahre leer, aber es atmet noch Vertrautes. Auch die Nachbarn und der Jugendfreund Patrizio sind bald zur Stelle. Für Hanna ist es eine Reise in ihre Kindheit und Jugendzeit, in glückliche Jahre, aber auch zurück zu schmerzvollen Erinnerungen. Erinnerungen daran, dass ihre Mutter sie nicht hat haben wollen. Daran, dass die Großeltern sie nur knapp vor einer Adoption bewahrt haben. Daran, dass die Mutter sich auch später, auch heute, kaum um sie kümmert. Selbst heute nicht.

Es ist auch eine Flucht. „Verena Boos – Kirchberg“ weiterlesen