Lektüre August 2017

Der August war mein Ferienmonat, ansonsten war er zumindest wettermäßig nicht sehr sommerlich. Das bedeutete sehr wenig Lesezeit unterm Apfelbaum oder in der Sonne, sondern Sofazeit wie im Herbst. Auch im Urlaub wurde recht wenig gelesen, sondern wirklich gereist. Bücher waren auch gar nicht mit dabei, sondern nur mein Tolino. Und das war drauf:

Olivier Bourdeaut - Warten auf Bojangles

Olivier Bourdeaut – „Warten auf Bojangles“

Ein zunächst heiterer, leichter, auf den ersten Blick vielleicht sogar eher oberflächlicher Roman, entwickelt dann doch noch eine ganze Menge Tragik. Der französische Publikums- und Verkaufserfolg hat mich durch die Tragik der psychischen Erkrankung der Mutter schließlich doch berührt. Ich war positiv überrascht.

 

 

 

Von Husch Jostens schmalem Roman „Hier sindHusch Josten - Hier sind Drachen Drachen“ habe ich hingegen mehr erwartet. Das topaktuelle Thema des Terrorismus, insbesondere islamistischer Prägung, kam mir hier doch ein wenig zu konstruiert und blutleer daher. Wichtige Fragen wurden aber gestellt, deshalb trotzdem lesenswert.

 

 

 

Penelope Fitzgerald - Ein Hausboot auf der ThemsePenelope Fitzgerald ist eine von vielen Autoren geschätzte, in Deutschland viel zu unbekannte britische Schriftstellerin. Das autobiografisch inspirierte „Hausboot auf der Themse“ erzählt von einer kleinen Gemeinschaft von Hausbootbesitzern, die langsam zerfällt. Sehr hübsch, ich bin zumindest neugierig auf weitere Bücher von ihr.

 

 

 

Zadie Smith ist eine von mir sehr geschätzte AZadie Smith - Swing Timeutorin. Ich habe nahezu alle Romane von ihr gelesen und schätze sie alle sehr, gerade aufgrund ihrer Vielseitigkeit. London NW ist inspiriert von den Erzähltechniken von James Joyce, multiperspektivisch, viel mit Bewusstseinsströmen arbeitend. Ich fand es großartig, mancher ein wenig sperrig. Swing Time kommt nun viel konventioneller daher, verwendet eine Ich-Erzählerin und liest sich sehr gut. Aber auch das kann Zadie Smith. Lediglich die etwas zu schablonenhafte Popdiva Aimée hat mein Lesevergnügen ein ganz klein wenig geschmälert.

 

Sven Regener - Wiener StraßeEin weiterer Autor, von dem ich unbesehen alles lese ist Sven Regener. Der typische Regener Sound ist natürlich auch wieder in Wiener Straße zu lesen. Ein Wiedersehen mit Frank Lehmann, Karl Schmidt und all den anderen. Ich habe mich wie immer köstlich amüsiert.

 

 

 

 

Birgit Vanderbeke schreibt schmale Romane.Birgit Vanderbeke - Wer dann noch lachen kann Auch sie hat einen typischen „Sound“. Zudem drehen sich ihre Romane immer wieder auch um unschöne Kindheitserfahrungen, familiäre Gewalt. So auch in ihrem neuen Roman, „Wer dann noch lachen kann“, der quasi eine Fortschreibung ihres Buchs „Ich freue mich, dass ich geboren bin“ ist. Trotz des beklemmenden Themas kein düsteres Buch, sondern eines der Hoffnung. Es lässt einen dennoch erschüttert und nachdenklich zurück.

 

Pierre Lemaitre - Drei Tage und ein LebenAuch Pierre Lemaitres Buch „Drei Tage und ein Leben“ weiß zu berühren. Die Geschichte eines Zwölfjährigen, der zum Mörder eines kleinen Jungen wird, weiß in den Schilderungen des Mordes und der Seelenpein des Täters zu überzeugen, weniger dann in der „Nachgeschichte“. Insgesamt aber eine lohnende Lektüre.

 

 

 

Der erste „Schwung“ Neuerscheinungen ist damit gelesen. Der Herbst wartet dieses Jahr aber mit einer derartigen Fülle an interessanten Titeln auf, dass der nächste Stapel bereits hier wartet. Ich freue mich drauf!

Deutscher Buchpreis 2017 – Die Longlist

Meine Gedanken dazu

Seit der Erstauflage im Jahr 2005 verfolge ich den Deutschen Buchpreis. Auch wenn natürlich der Anspruch, „den besten Roman des Jahres“ zu küren, vermessen ist, wundert es mich jedes Jahr, wie heftig er nicht nur diskutiert, sondern regelrecht diskreditiert wird. Zu viel Mainstream, zu wenig Frauen, zu viel große Verlage, zu großer Fokus auf mögliche Vermarktung – die Kritikpunkte variieren, bleiben sich aber über die Jahre in unterschiedlicher Gewichtung relativ gleich.

Ich bin ein großer Freund des Deutschen Buchpreises, auch wenn ich viele der Kritikpunkte nicht nur verstehe, sondern auch teile. Besonders die Bündelung des Interesses auf die jeweilig ausgelobten Titel sehe ich durchaus als ein Problem. Insgesamt gesehen denke ich aber, dass mit der Schaffung dieses Preises generell das Interesse an Literatur, vornehmlich deutschsprachiger, gewachsen ist, gerade auch was die Medienaufmerksamkeit betrifft. Und das kann ja nun nicht von Nachteil sein. Bei der Fülle an Neuerscheinungen ist eine Vorauswahl für den normalen Leser mehr als hilfreich. Und wenn natürlich auch nie der eine „beste“ Roman erwählt werden kann, da es diesen bei der Divergenz der Lesevorlieben und -erwartungen gar nicht geben kann, habe ich persönlich doch in den letzten Jahren einige Bücher entdeckt, die mir sonst vielleicht verborgen geblieben wären.

Bisher habe ich alle Siegertitel und viele der Long- und Shortlists gelesen – bis auf Frank Witzel, dessen Autorenlesung ich tatsächlich nach etwas mehr als der Hälfte abgebrochen habe. Es war kein schlechter darunter, auch wenn ich die letztjährige Wahl nicht gerade begrüßt habe. Aber Botho Kirchhoff ist einfach kein Autor für mich – und muss es ja auch gar nicht sein.

Auch dieses Jahr schaue ich wieder sehr gespannt auf das ganze Ereignis, werde mir auf jeden Fall die Leseproben-Broschüre besorgen, staune, welche Ausmaße die Idee der Buchpreisblogger mittlerweile angenommen hat, werde bei den Diskussionen mitmischen und mit einer kleinen Träne im Auge an letztes Jahr denken, wo ich bei der Verleihung des Preises im Frankfurter Römer dabei sein durfte. Ein wirklich tolles Erlebnis!

Aber jetzt ein Blick auf die diesjährige Longlist.

Zunächst einmal das (zumindest halbwegs) erwartete, die „alten Hasen“, diejenigen, die schon mehrmals auf irgendeiner Lise standen oder aber bisher so gelobt wurden, dass ihr Erscheinen hier kaum verwundert. Da wären:

Franzobel
Das Floß der Medusa
Hanser, 592 Seiten, € 26,00
ISBN : 978-3-552-05816-3
erschien am 30.01.2017
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„18. Juli 1816: Vor der Westküste von Afrika entdeckt der Kapitän der Argus ein etwa zwanzig Meter langes Floß. Was er darauf sieht, lässt ihm das Blut in den Adern gefrieren: hohle Augen, ausgedörrte Lippen, Haare, starr vor Salz, verbrannte Haut voller Wunden und Blasen … Die ausgemergelten, nackten Gestalten sind die letzten 15 von ursprünglich 147 Menschen, die nach dem Untergang der Fregatte Medusa zwei Wochen auf offener See überlebt haben. Da es in den Rettungsbooten zu wenige Plätze gab, wurden sie einfach ausgesetzt. Diese historisch belegte Geschichte bildet die Folie für Franzobels epochalen Roman, der in den Kern des Menschlichen zielt. Wie hoch ist der Preis des Überlebens?“ (Verlagswerbung)
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Hochgelobt, unlängst auch vom „Literarischen Quartett“, möchte ich dieses Buch auch gerne bald lesen.
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Jonas Lüscher - KraftJonas Lüscher
Kraft
C.H.Beck, 237 Seiten, € 19,95
ISBN 978-3-406-70531-1
erschien am 27.01.2017
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„Richard Kraft, Rhetorikprofessor in Tübingen, unglücklich verheiratet und finanziell gebeutelt, hat womöglich einen Ausweg aus seiner Misere gefunden. Sein alter Weggefährte István, Professor an der Stanford University, lädt ihn zur Teilnahme an einer wissenschaftlichen Preisfrage ins Silicon Valley ein. In Anlehnung an Leibniz’ Antwort auf die Theodizeefrage soll Kraft in einem 18-minütigen Vortrag begründen, weshalb alles, was ist, gut ist und wir es dennoch verbessern können. Für die beste Antwort ist eine Million Dollar ausgelobt. Damit könnte Kraft sich von seiner anspruchsvollen Frau endlich freikaufen …
Komisch, furios und böse erzählt Jonas Lüscher in diesem klugen Roman von einem Mann, der vor den Trümmern seines Lebens steht, und einer zu jedem Tabubruch bereiten Machtelite, die scheinbar nichts und niemand aufhalten kann.“ (Verlagswerbung)
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Einer der Frühjahrstitel, wurde zur Verwunderung vieler noch nicht einmal für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Dieses Versäumnis wird nun hier wettgemacht. Ich persönlich eiere immer noch um das Buch herum. Sehr gelobt von den unterschiedlichsten Leser, reizt es mich merkwürdigerweise zu wenig. Vielleicht ist jetzt seine Stunde gekommen, zumal es auch als Debüt für den Bloggerpreis eingereicht wurde (Lüschers Novelle „Frühling der Barbaren zählt da wohl nicht)
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Ingo Schulze Peter Holtz Sein glückliches Leben erzählt von ihm selbstIngo Schulze
Peter Holtz – Sein glückliches Leben erzählt von ihm selbst
S.Fischer, 576 Seiten, € 22,00
ISBN: 978-3-10-397204-7
erscheint voraussichtlich am 7.September 2017
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„Vom Waisenkind zum Millionär – wie konnte das so schiefgehen?
Peter Holtz will das Glück für alle. Schon als Kind praktiziert er die Abschaffung des Geldes, erfindet den Punk aus dem Geist des Arbeiterliedes und bekehrt sich zum Christentum. Als CDU-Mitglied (Ost) kämpft er für eine christlich-kommunistische Demokratie. Doch er wundert sich: Der Lauf der Welt widerspricht aller Logik. Seine Selbstlosigkeit belohnt die Marktwirtschaft mit Reichtum. Hat er sich für das Falsche eingesetzt? Oder für das Richtige, aber auf dem falschen Weg? Und vor allem: Wie wird er das Geld mit Anstand wieder los? Peter Holtz nimmt die Verheißungen des Kapitalismus beim Wort.
Mit Witz und Poesie lässt Ingo Schulze eine Figur erstehen, wie es sie noch nicht gab, wie wir sie aber heute brauchen: in Zeiten, in denen die Welt sich auf den Kopf stellt.“ (Verlagswerbung)
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Das Buch ist noch nicht erschienen, deshalb lässt sich noch nicht viel darüber sagen. Ingo Schulze ist aber einer dieser „alten Hasen“, der auch von mir durchaus geschätzt wird. Im Moment lasse ich mir das Buch gerade vorlesen. Im Rahmen des ARD-Radiofestivals lassen sich die Folgen auch nachhören.

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Feridun Zaimoglu - EvangelioFeridun Zaimoglu    Evangelio

Kiepenheuer&Witsch, 352 Seiten, € 22,00
ISBN: 978-3-462-05010-3
Erschienen am: 09.03.2017

„4. Mai 1521 bis 1. März 1522: Martin Luther hält sich auf der Wartburg auf. Gänzlich unfreiwillig, denn er ist auf Geheiß des Kurfürsten von Sachsen in Gewahrsam genommen worden. Dort sieht er sich größten Anfechtungen ausgesetzt, vollbringt aber auch sein größtes Werk: In nur zehn Wochen übersetzt er das Neue Testament ins Deutsche.(…)Mit klingender Sprache, erstaunlichem Kenntnisreichtum und dramatischer Zuspitzung erzählt Feridun Zaimoglu von einem großen Deutschen, einer Zeit im Umbruch und der Macht und Ohnmacht des Glaubens.“ (aus der Verlagswerbung)

Der große Luther-Roman, auch ein Buch aus der Frühjahrsproduktion. Für mich ist sowohl Thema als auch die überbordende, barocke Sprache wenig reizvoll. Das Buch werde ich eher nicht lesen.
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Bonne - Lichter_als_der_TagMirko Bonné
Lichter als der Tag
Schöffling & Co, 336 Seiten, € 22,00
ISBN: 978-3-89561-408-8
erschienen am 18. Juli 2017
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„Raimund Merz kennt Moritz und Floriane von Kindheit an. Ihr Lebensmittelpunkt ist ein wilder Garten am Dorfrand. Als Inger zu ihnen stößt, die Tochter eines dänischen Künstlers, bilden die vier eine verschworene Gemeinschaft, bis sich beide Jungen in das Mädchen verlieben. Inger ent­scheidet sich für Moritz, Raimund und die ehrgeizige Floriane werden ebenfalls ein Paar. Jahre später kreuzen sich die Wege der vier erneut – für Raimund die Chance, sich der Leere seines Lebens ohne Inger zu vergegenwärtigen. Ver­zweifelt sucht er nach einem Weg zurück zu sich selbst und zu einer Aussöhnung mit der Vergangenheit. In einem furio­sen Finale bricht er auf nach Lyon zu einem Gemälde, das ihn in Bann zieht wie in der Kindheit der wilde Garten.
Mirko Bonnés großer Liebesroman überträgt das Wahlverwandtschaften­-Thema in die heutige Zeit. Er fragt nach Gründen von Entzweiung und Entfremdung und zeichnet dabei das ergreifende Porträt eines Mannes, der die Kraft findet, aus dem Schatten über seinem Dasein hinauszutreten.“ (Verlagswerbung)
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Ich liebe Mirko Bonnés „Wie wir verschwinden“ und „Nie mehr Nacht“. Bücher, die mich tief bewegt haben. Eigentlich folgerichtig müsste ich mich auf diese Buch stürzen. Leider habe ich im Moment ein wenig eine Aversion gegen Bücher über Männer in Lenenskrisen, zumindest, wen sie um verpasste Lebens- un Liebeschancen in gutbürgerlichem Milieu kreisen. Vielleicht gebe ich dem Buch aber doch noch eine Chance.
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Robert Menasse - Die HauptstadtRobert Menasse  Die Hauptstadt
Suhrkamp, 459 Seiten
ISBN: 978-3-518-42758-3     erscheint voraussichtlich am 11. September 2017

In Brüssel laufen die Fäden zusammen – und ein Schwein durch die Straßen. Fenia Xenopoulou, Beamtin in der Generaldirektion Kultur der Europaischen Kommission, steht vor einer schwierigen Aufgabe. Sie soll das Image der Kommission aufpolieren. Aber wie? Sie beauftragt den Referenten Martin Susman, eine Idee zu entwickeln. Die Idee nimmt Gestalt an – die Gestalt eines Gespensts aus der Geschichte, das fur Unruhe in den EU-Institutionen sorgt. David de Vriend dämmert in einem Altenheim gegenüber dem Brüsseler Friedhof seinem Tod entgegen. Als Kind ist er von einem Deportationszug gesprungen, der seine Eltern in den Tod führte. Nun soll er bezeugen, was er im Begriff ist zu vergessen. Auch Kommissar Brunfaut steht vor einer schwierigen Aufgabe. Er muss aus politischen Gründen einen Mordfall auf sich beruhen lassen; »zu den Akten legen« wäre zu viel gesagt, denn die sind unauffindbar. Und Alois Erhart, Emeritus der Volkswirtschaft, soll in einem Think-Tank der Kommission vor den Denkbeauftragten aller Länder Worte sprechen, die seine letzten sein könnten.
In seinem neuen Roman spannt Robert Menasse einen weiten Bogen zwischen den Zeiten, den Nationen, dem Unausweichlichen und der Ironie des Schicksals, zwischen kleinlicher Bürokratie und großen Gefühlen.
Und was macht Brüssel? Es sucht einen Namen – für das Schwein, das durch die Straßen läuft. Und David de Vriend bekommt ein Begräbnis, das stillschweigend zum Begräbnis einer ganzen Epoche wird: der Epoche der Scham. (Verlagswerbung)

Auch dieses Buch, als „Der große europäische Roman“ beworben, ist noch nicht erschienen, klingt für mich aber interessant, auch wenn ich vom Autor noch nichts gelesen habe. Ohne die Nominierung wäre es sicher auch nicht weiter in meine Aufmerksamkeit vorgedrungen.

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Thomas Lehr - Schlafende SonnenThomas Lehr

Schlafende Sonne

Hanser Verlag, 640 Seiten, € 20,99
ISBN : 978-3-446-25766-5
Erscheint am: 21.08.2017

 

„Ein Jahrhundert Deutschland – an einem Tag im Sommer 2011: Thomas Lehr hat einen großen Roman geschrieben. Rudolf Zacharias reist nach Berlin. Dort will der Dokumentarfilmer die Vernissage seiner früheren Studentin Milena Sonntag besuchen. Thomas Lehrs Roman spielt an einem Sommertag des Jahres 2011 – und zugleich in einem ganzen Jahrhundert. Denn in ihrer Ausstellung zieht Milena nicht nur eine künstlerische Lebensbilanz, sondern die ihrer Zeit. Mit sprachlicher Kraft werden historische Katastrophen neben die privaten Verwicklungen dreier Menschen gestellt, führen die Spuren von den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs bis ins heutige Berlin. Thomas Lehr entwickelt ein überwältigendes Fresko dieses deutschen Jahrhunderts: tragisch, komisch, grotesk, und immer wieder ganz persönlich und intim.“ (Verlagswerbung)

Ich kenne weder Thomas Lehr noch das Buch, es klingt aber spannend, ich werde mich auf jeden Fall näher damit beschäftigen.

 

Nun die für mich größte Überraschung, nicht weil der Autor unbekannt wäre oder der Roman völlig aus dem Rahmen fällt. Ich hätte nur nicht gedacht, dass er es schafft –  zu lustig, zu lässig für den Buchpreis. Mein Herz hat er jetzt schon:

Sven Regener - Wiener StrasseSven Regener   Wiener Straße

Kiepenheuer & Witsch, 304 Seiten, € 18,99
ISBN: 978-3-462-31749-7
erscheint voraussichtlich am 07.09.2017)

„Wiener Straße beginnt im November 1980 an dem Tag, an dem Frank Lehmann mit der rebellischen Berufsnichte Chrissie sowie den beiden Extremkünstlern Karl Schmidt und H. R. Ledigt in eine Wohnung über dem Café Einfall verpflanzt wird, um Erwin Kächeles Familienplanung nicht länger im Weg zu stehen. Österreichische Aktionskünstler, ein Fernsehteam, ein ehemaliger Intimfriseurladen, eine Kettensäge, ein Kontaktbereichsbeamter, eine Kreuzberger Kunstausstellung, der Kampf um die Einkommensoptionen Putzjob und Kuchenverkauf, der Besuch einer Mutter und ein Schwangerschaftssimulator setzen eine Kette von Ereignissen in Gang, die alle ins Verderben reißen. Außer einen!“ (Verlagswerbung)

 

Nun die eher unbekannteren, noch zu entdeckenden Autoren.

Viel Lob und einiges an Besprechungen bekamen schon die Frühjahrstitel von Kerstin Preiwuß, Christiene Wunnicke und Julia Wolf

Kerstin Preiwuß - Nach OnkaloKerstin Preiwuß

Nach Onkalo
Piper Verlag, 240 Seiten, €20,00
ISBN: 978-3-8270-1314-9
Erschienen am 01.03.2017

 

„Eine Provinzgeschichte über die großen Fragen des Lebens. Matuschek ist vierzig, als seine Mutter stirbt, mit der er das Haus teilte. Ohne ihre Fürsorge weiß er nicht, wie es weitergehen soll. Eine Frau hat er nicht und von dort, wo er wohnt, geht man weg, wenn man kann. Aber Matuschek ist einer, der bleibt, Bewohner des Hinterlands, einer längst von allen aufgegebenen Welt. Zum Glück gibt es Nachbarn. Igor, der Russe, wird zum Freund. Den alten Witt kennt er seit seiner Jugend. Und dann sind da die Tauben, die Matuschek als Junge bekam und seitdem züchtet. Brieftauben haben einen inneren Kompass und kehren stets nach Hause zurück. Das kann schon reichen fürs Leben. Als Matuschek Irina kennenlernt, winkt das Glück. Aber dann geht etwas schief und er beginnt von neuem. »Nach Onkalo« zeigt eine Welt am Rand, in der sich die großen Fragen nicht weniger deutlich stellen: was einen zusammenhält und wie man glücklich wird. Matuschek stellt sich diese Fragen nicht, er will nur seinen Alltag meistern. Doch vielleicht befähigt ihn genau das zur Erkenntnis »ob das Leben die Mühe lohnt«.“ (Verlagswerbung)

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Christine Wunnicke
Katie
Berenberg Verlag, 176 Seiten, € 22,00
ISBN 978-3-946334-13-2
erscheinen am 1.3.2017

„Vielleicht liegt es am Nebel. Davon jedenfalls gibt es in London auch um 1870 herum genug, und wer weiß, vielleicht trübt er der Stadt ­kollektiv die Sinne. Kaum einer, der nicht dem Medium seiner Wahl vertraut, um in schummrigen ­Séancen mit dem Jenseits zu ­parlieren. Florence Cook ist das It-Girl der Branche – streng verschnürt im Schrank bringt sie die ­ aufregendste aller Erscheinungen zutage: ­Katie, 200 Jahre jung und in gleißendes Weiß gewandet, früher Piratentochter, heute eine unruhige Seele auf der Suche nach Erlösung. Oder …? Ein Fall für Sir William Crookes, der Florence (und Katie) nach den Regeln der damaligen Kunst unter die Lupe nimmt – nur um am Ende erschöpft zu konstatieren, dass die Wissenschaft im Grunde auch nur ein Spuk ist. Eine herrlich übersinnliche Geschichte, und das Beste: Es ist alles wahr. Wirklich.“ (Verlagswerbung)

Julia Wolf – Herr Nowak bleibt liegen

Frankfurter Verlagsanstalt, 200 Seiten, € 21,- 
ISBN 978-3-627-00233-6

erschienen im März 2017

auf dieses Buch nur ein Link, da mit der Homepage des Verlags nicht vernünftig zu arbeiten ist (sollte mal überarbeitet werden!)

Beide Bücher muss ich mir definitiv noch mal genauer anschauen!

Gar nicht bekannt sind mir die folgenden Nominierten, deshalb von mir bisher auch kein Kommentar dazu (werde ich nachholen)

Birgit Müller-Wieland – Flugschnee

Otto-Müller-Verlag, 343 Seiten, € 20,00#
erschienen am 22. Februar 2017

978-3-7013-1248-1

„Was macht das Glück einer Familie aus? Wenn es – neben vielen Komponenten wie Gesundheit, sicherem Einkommen und dergleichen – gemeinsame Erinnerungen sind, die Zusammenhalt ermöglichen, so denkt Lucy an einem Dezembertag in Berlin an keine glückliche Familie. Ihr Bruder Simon ist verschwunden. Das Nachsinnen über ihn führt sie zu einem früheren Wintertag ins Haus der Großeltern in Hamburg, an dem etwas geschah, das den Kindern verschwiegen wurde. Dieses Schweigen prägte nicht nur die weitere Zukunft, sondern reicht auch in die Generation der Großeltern und Urgroßeltern zurück, welche sich in vielfältig Ungesagtes verstrickten. Von Deutschland über Österreich, Italien und Osteuropa wird das Netz gespannt, das die Figuren mit ihren Lebensgeschichten knüpfen, verlieren, wieder aufnehmen – ein Ringen um die Wahrheiten, die in der Vergangenheit liegen, und das Annehmen der Herausforderungen, welche die Gegenwart bereithält.“ (Verlagswerbung)

Monika Helfer – Schau mich an, wenn ich mit dir rede

Jung und Jung, 186 Seiten, € 20,–
ISBN 978-3-99027-094-3]
erschienen am 3. 3. 2017

Vev ist ein Scheidungskind, ihre Familie ist größer, als sie es schon einmal war. Da ist die Mutter,  Sonja, die auch mithilfe von Drogen nicht recht über die Scheidung hinwegkommt, und da ist ihr Neuer, den alle nur The Dude nennen, einer, der die Dinge in die Hand nimmt und aufräumt in Sonjas Leben. Und da ist Milan, Vevs Vater, der zu Natalie und ihren beiden Töchtern zieht, aber auch in seiner neuen Familie nicht den richtigen Platz findet. Sie alle gehören irgendwie zusammen, weil sie nicht voneinander loskommen. Und Vev? Und die anderen Kinder? Die Kinder lernen schnell, wie das Spiel läuft, und spielen es bald besser als die Erwachsenen.
Es sind skandalös alltägliche Verhältnisse, die Monika Helfer in den Blick nimmt. Sie geht nahe heran an die Menschen, die darin leben, die mit sich und den anderen zurechtzukommen  versuchen. Ihr Blick ist entlarvend, aber auch voller Empathie, schonungslos, aber immer im Dienst der Aufrichtigkeit. Und was aus größerer Entfernung wie eine Familie aussieht, ist bei näherer Betrachtung eben oft nicht mehr als ein fein austariertes System von Eigeninteressen.“ (Verlagswerbung)

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Marion Poschmann - Die KieferninselnMarion Poschmann

Kieferninseln
Suhrkamp, 168 Seiten, € 20,00
Gepl. Erscheinen: 11.09.2017
ISBN: 978-3-518-42760-6

 

„Gilbert Silvester, Privatdozent und Bartforscher im Rahmen eines universitären Drittmittelprojekts, steht unter Schock. Letzte Nacht hat er geträumt, dass seine Frau ihn betrügt. In einer absurden Kurzschlusshandlung verlässt er sie, steigt ins erstbeste Flugzeug und reist nach Japan, um Abstand zu gewinnen. Dort fallen ihm die Reisebeschreibungen des klassischen Dichters Basho in die Hände, und plötzlich hat er ein Ziel: Wie die alten Wandermönche möchte auch er den Mond über den Kieferninseln sehen. Auf der traditionsreichen Pilgerroute könnte er sich in der Betrachtung der Natur verlieren und seinen inneren Aufruhr hinter sich lassen. Aber noch vor dem Start trifft er auf den Studenten Yosa, der mit einer ganz anderen Reiselektüre unterwegs ist, dem Complete Manual of Suicide. Die Kieferninseln ist ein Roman von meisterhafter Leichtigkeit: tiefgründig, humorvoll, spannend, zu Herzen gehend. Im Teeland Japan mischen sich Licht und Schatten, das Freudianische Über-Ich und die dunklen Götter des Shintoismus. Und die alte Frage wird neu gestellt: Ist das Leben am Ende ein Traum?“ (Verlagswerbung)

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Michael Wildenhain Das Singen der SirenenMichael Wildenhain – Das Singen der Sirenen

Klett-Cotta,  320 Seiten,€ 22,00
ISBN: 978-3-608-98304-3
erscheint voraussichtlich am 9.9.2017

„Als der deutsche Frankenstein-Experte Jörg Krippen auf dem Campus seiner neuen Londoner Universität umherirrt, hilft ihm die junge Stammzellenforscherin Mae sich zu orientieren. Die Begegnung wirkt zufällig, tatsächlich hat sie diese bewusst provoziert. Kurz darauf führt Mae ein Wiedersehen herbei, um eine Affäre mit dem deutlich älteren Mann zu beginnen. Zugleich scheint sie sonderbar viel über ihn zu wissen. Im Londoner East End hat niemand auf den Literaturwissenschaftler Jörg Krippen aus Berlin gewartet. Die Kleidung vom Nieselregen durchweicht sucht er nach einer Klingel, als eine junge Frau indischer Abstammung ihn anspricht: »You look so lost«. Sie selbst ist in Brixton aufgewachsen und forscht im Bereich neuer Reproduktionstechnologien. Krippen verliebt sich rasch und heftig – und belügt sie, was seine Familie und seine linke politische Vergangenheit betrifft. Auch sie ist nicht ehrlich und verschweigt, dass sie vor Jahren als Austauschschülerin in Berlin war. Es entspannt sich eine leidenschaftliche Liebesgeschichte, wie sie beide in der Intensität zuvor nicht erlebt haben. Doch ihre ungewöhnliche Liebe wirft Fragen nach dem Verhältnis von Geistes- und Naturwissenschaft auf. “ (Verlagswerbung)

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Gerhard Falkner - Romeo oder JuliaGerhard Falkner

Romeo oder Julia
Berlin Verlag, 272 Seiten, € 22,00
ISBN 978-3-8270-1358-3

Erscheint voraussichtlich am 01.09.2017

„Kurt Prinzhorn ist zu einem Schriftstellertreffen nach Innsbruck eingeladen, wo ihm Merkwürdiges widerfährt: Jemand muss während seiner Abwesenheit ein ausgiebiges Schaumbad in der Wanne seines Hotelzimmers genommen und dort bewusst Spuren hinterlassen haben. Die Chipkartenschließanlage der Tür zeigt jedoch kein fremdes Eindringen an. Als nächstes verschwindet der Schlüsselbund des zunehmend ratlosen Autors. Während einer Moskau-Reise wenige Tage später kommt es zu neuen Unerklärlichkeiten, und auch in Madrid, wo Prinzhorn einer früheren Geliebten wiederbegegnet, reißt die Kette seltsamer Geschehnisse nicht ab – bis ihm durch Zufall das Puzzle der Erinnerung zu einem Bild zusammenfällt, das ihn weit in die eigene Biographie zurückführt. Am nächsten Morgen klingelt die Polizei an der Tür seiner Berliner Wohnung, denn unter dem Fenster von Prinzhorns Zimmer in Madrid wurde eine tote Frau gefunden.“ (Verlagswerbung)

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Salzmann - Außer sichSasha Marianna Salzmann
Außer sich

Suhrkamp, 366 Seiten, € 22,00
ISBN: 978-3-518-42762-0
erscheint voraussichtlich am 01.09.2017
„Sie sind zu zweit, von Anfang an, die Zwillinge Alissa und Anton. In der kleinen Zweizimmerwohnung im Moskau der postsowjetischen Jahre verkrallen sie sich in die Locken des anderen, wenn die Eltern aufeinander losgehen. Später, in der westdeutschen Provinz, streunen sie durch die Flure des Asylheims, stehlen Zigaretten aus den Zimmern fremder Familien und riechen an deren Parfumflaschen. Und noch später, als Alissa schon ihr Mathematikstudium in Berlin geschmissen hat, weil es sie vom Boxtraining abhält, verschwindet Anton spurlos. Irgendwann kommt eine Postkarte aus Istanbul – ohne Text, ohne Absender. In der flirrenden, zerrissenen Stadt am Bosporus und in der eigenen Familiengeschichte macht sich Alissa auf die Suche – nach dem verschollenen Bruder, aber vor allem nach einem Gefühl von Zugehörigkeit jenseits von Vaterland, Muttersprache oder Geschlecht. Wer sagt dir, wer du bist? Davon und von der unstillbaren Sehnsucht nach dem Leben selbst und seiner herausfordernden Grenzenlosigkeit erzählt Sasha Marianna Salzmann in ihrem Debütroman Außer sich. Intensiv, kompromisslos und im besten Sinn politisch.“ (Verlagswerbung)

Christoph Höthker – Das Jahr der Frauen

Weissbooks, 256 Seiten, 22,00 €

ISBN978-3-86337-118-0

erschienen am 7.8.2017

„Was ist zu tun, wenn man von allem endgültig genug hat, der Therapeut aber dennoch Vorsätze für das neue Jahr hören möchte?
Frank Stremmer, Anfang vierzig, ausgebrannter deutscher Expat in Diensten einer illustren internationalen Genfer Organisation, rafft sich zu einem letzten Kraftakt auf: Zwölf Frauen in zwölf Monaten! Ohne Geld, ohne Versprechungen, ohne Perspektiven. Was als Witz, als müde Provokation gegenüber seinem Psychologen beginnt, entwickelt sich schon bald zur fixen Idee. Immer verbissener verfolgt der PR-Mann sein »Projekt«, immer grotesker werden seine Annäherungsversuche. Denn am Ende, so hat Stremmer es sich vorgenommen, soll nichts Geringeres stehen als: Die Erlösung. Zwölf Frauen in zwölf Monaten bedeuten für ihn die »Legitimation« zum Freitod. Das Jahr der Frauen, das sind die amüsant-absurden Notate eines Besessenen. Sex als Sterbehilfe, Flirts im Endzeitmodus mit Judith Butler als Stichwortgeberin. Stremmers irrwitzige Jagd durch Online-Portale, Bars und Schlafzimmer endet jedoch nicht im Frieden leerer Schlaftablettenröhrchen, sondern im Chaos, im blutigen Staub eines afrikanischen Bürgerkriegsstaates. – Der finale, frauenlose Akt? Oder gar ein Neubeginn?“ (Verlagswerbung)

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Robert Prosser - PhantomeRobert Prosser

Phantome
Ullstein, 336 Seiten, € 20,00
ISBN-13 9783961010097

Erschienen am 15.08.2017

„Robert Prosser schildert intensiv ein fast vergessenes Kapitel der jüngeren Geschichte: Der Jugoslawienkrieg, der die letzte große innereuropäische Flüchtlingswelle in den 1990ern auslöste, dessen drastische Verbrechen bis heute nicht aufgearbeitet sind und weit in die Generation der Kinder der Geflüchteten nachwirken. Anisa flüchtet 1992 aus Sarajewo nach Wien. In den beginnenden ethnischen Säuberungen hat sie ihren Vater zurückgelassen – und wird ihn nie wiedersehen. Auch von ihrem Freund Jovan, einem bosnischen Serben, der zum Militärdienst eingezogen wurde, konnte sie sich nicht verabschieden. Jahrzehnte später reist Anisas Tochter Sara auf den Spuren ihrer Mutter nach Bosnien-Herzegowina.“ (Verlagswerbung)

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Jakob Nolte Schreckliche GewaltenJakob Nolte

Schreckliche Gewalten
Matthes & Seitz, 340 Seiten, 22,00 €
ISBN: 978-3-95757-400-8
Erschienen am 27.3.2017
„Eines Nachts verwandelt sich Hilma Honik in einen Werwolf und tötet ihren Mann. Von nun an sind ihre beiden Kinder auf sich selbst gestellt : immer in der Angst, die Bestialität liege in der Familie und könne auch von ihnen Besitz ergreifen. Während sich Iselin dafür entscheidet, in ihrer Heimatstadt Bergen mit ihren Mitbewohnerinnen die Terrorzelle »Mädchen im System« zu gründen, bereist Edvard die Ränder der Sowjetunion auf seinem Weg nach Afghanistan. Es beginnt eine fantastische Sinnsuche durch das 20. Jahrhundert und die Unwägbarkeiten menschlichen Verhaltens. In seinem zweiten Roman zeichnet Jakob Nolte einen schwarzen Regenbogen des Horrors über die Welt und erweist sich dabei als detailverliebter Nihilist und Meister des Wahnwitzes.“ (Verlagswerbung)
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Bei den letzten Titeln gilt es für mich noch einiges zu recherchieren und nachzulesen. Ich werde dann hier updaten!
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7 Damen, 13 Herren, ein typisches 2:1 Verhältnis für den Buchpreis. Dreimal Suhrkamp, je zweimal Kiwi und Hanser,, aber immerhin siebenmal kleine, unabhängige Verlage. Nun heißt es abwarten, bis am 12. September die Shortlist verkündet wird. Letztes Jahr habe ich fünf der sechs Kandidaten richtig getippt (deshalb durfte ich im Römer dabei sein). Auch dieses Jahr werde ich mich wohl mal an einem Tipp versuchen.

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Euch allen viel Spaß im Vorfeld! Und ja, es wird vielleicht nicht der „beste“ Roman des Jahres gekürt, aber sicher einer, der es verdient, gelesen zu werden. Ich freue mich drauf!

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Bücherherbst hat ein paar spannende Statistiken dazu erstellt

Beitragsbild: von Börsenverein des Deutschen Buchhandels [Public domain], via Wikimedia Commons

Lektüre Juli 2017

Was war das für ein toller Lesemonat, der Juli. Zwar hat das Wetter nicht so gut mitgespielt wie im Juni und das Lesen fand überwiegend auf dem Sofa statt, dafür habe ich wirklich ein paar ganz ausgezeichnete Bücher ausgewählt gehabt, sowohl meinen SUB etwas erleichtert als auch schon auf eine Herbstneuerscheinungen vorgegriffen.

Stefan Ferdinand Etgeton - Das Glück meines Bruders.

Nur das Buch von Stefan Ferdinand Etgeton hat nach einem sehr interessanten und mitreißenden Anfang mich nicht ganz überzeugen können. Lesenswert war es für mich aber dennoch.

Das wunderbarste Buch, das ich seit langem gelesen habe, war „Erzähl mir von Schlachten, Königen und Elefanten“ von Matthias Énard. Sprachlich und gedanklich ganz großartig! Ich bin sehr froh, es mir bereits letztes Jahr bei einer Lesung des sympathischen Autors signieren lassen zu haben. Es bekommt bei mir einen Ehrenplatz und war ein erster Schritt in Richtung Gastlandauftritt Frankreich zur Frankfurter Buchmesse (und meinem Sommerurlaub 😉 ). Der zweite französische Titel, auch ein ganz schmales Buch stammt vom eleganten Jean Echenoz, „Laufen“ ist ein kleines Porträt des Läufers Emil Zátopek, der zwischen 1949 und 1955 nicht weniger als 18 Weltrekorde lief.

Sehr gut gefallen hat mir auch Jennifer Haigh mit „Licht und Glut“, ein intelligentes, engagiertes Buch über „Fracking“ und eine kleine amerikanische Provinzgemeinde, die damit leben muss. Sehr gut konstruiert und geschrieben und hochaktuell!

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Eine der Geschichten aus Kressmann Taylors Erzählungsband „So träumen die Frauen“ geht mir nicht mehr aus dem Sinn. „Die sterbende Rose“ hat mich sehr berührt und über die Kunst der Autorin staunen lassen.

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Matthias Brandts kleiner Erinnerungsband über eine nicht ganz normale westdeutsche Kindheit in den Sechziger und Siebziger Jahren war eine sehr charmante Lektüre, die erst nach ihrem Ende ihre ganze, positive Wirkung entfaltet hat.

Und dann schon ein Vorgriff auf die Neuerscheinungen aus dem Rowohlt Verlag: Sabrina Janesch schreibt mit „Die goldene Stadt“ einen richtig guten Historien- und Abenteuerroman über die Entdeckung der peruanischen Inkastadt Machu Pichu im 19. Jahrhundert. Richtig gute Untehaltung! Mehr darüber nach dem Erscheinungsdatum am 18. August.

Nun habe ich erst einmal zwei völlig buchfreie Wochen! Ja, richtig gelesen, ich starte dieses Jahr zum ersten Mal ganz ohne Buch in den Urlaub. Da es natürlich aber nicht ohne Lektüre geht, ist der Tolino mit dabei – nicht geliebt, aber geschätzt, da wir dieses Jahr sehr viel unterwegs sein werden.

Ich wünsche auch euch zwei tolle Wochen!

Lektüre Juni 2017

Der Juni war geprägt von sehr vielen schönen Sonnentagen, weswegen meine Lektüre oft so aussah:

Andererseits kostet die Pflege des Gartens immer sehr viel Zeit, die er mir aber mit solch schönen Anblicken vergilt:

 

Trotzdem habe ich auch eine Menge schöner Bücher gelesen. Besonders die Erzählungen von Colum McCann, der autobiografische Roman von Tom Malmquist und der Roman von Shida Bazyar haben mir sehr gefallen. Diesen Monat hatte ich auch endlich mal wieder einen kleinen Krimischwerpunkt mit einem Roman der von mir sehr geschätzten Dominique Manotti, mit dem neuen Fall des Amsterdamer Ermittlers Pieter Posthumus und dem sehr vergnüglichen irischen Bogmail.

 

Von Walt Whitman wurde ein bisher unbekannter kleiner Roman veröffentlicht. Jack Engle ist durchaus unterhaltsam, hält aber nicht ganz, was der Medienrummel so verspricht. 

Sehr interessant war für mich die Lektüre von Karl und Manci, einer kleinen Novelle der Autorin Mala Laaser. 1939 aus Deutschland nach England emigriert, verstummte dieses junge Talent literarisch. Texten dieser Art widmet Jörg Mielczarek eine Reihe im Verlag interna.

Geprägt war der Monat Juni auch von der Litblog Convention am 10. Juni in Köln. Ich war zum ersten Mal überhaupt auf einer solchen Blogger-Veranstaltung. Vorher zugegeben ein wenig skeptisch, aber voller Vorfreude, wurden meine positiven Erwartungen in allen Aspekten übertroffen. Interessante, informative Vorträge, beste Organisation, liebevolle Betreuung und Bewirtung und jene Menge nette Bloggerkollegen. Es war wirklich schön!

Berichte darüber findet ihr bei zum Beispiel bei leckerekekse oder KAPRI-ZIÖS

Bevor ich Ende Juli in die Sommerpause verschwinde, möchte ich noch einige Herbstneuerscheinungen lesen und der große Amerikaroman von Jennifer Haigh ist als nächstes dran. Zwei Herbstneuerscheinungen habe ich schon gelesen, José Eduardo Agualusa und Stefan Ferdinand Etgeton, beide aus dem Verlag C.H.Beck. Mehr darüber nach dem Erscheinen am 21. Juli.

Habt einen schönen Sommer!

Lektüre Mai 2017

Das Jahr rast auch durch die Bücherwelt. Überall machen Verlagsvorschauen auf die Herbstneuerscheinungen neugierig und endlich ist auch der Winter vorbei. Bei uns hat er sich bis gefühlt in die erste Maihälfte hineingezogen, war mit Nachtfrösten immer präsent und wich dann von jetzt auf gleich dem Sommer.

Die Lektüre zog dann vermehrt nach draußen in den Garten.

Rachel Cusk - Transit

 

Der zweite Teil von Rachel Cusks Trilogie lässt den Leser die Protagonistin wie im ersten Teil hauptsächlich durch ihre Gespräche mit anderen Menschen wahrnehmen. Trotzdem gewinnt sie hier deutlich mehr Kontur, ein Aufbruch und Neubeginn scheint zu gelingen. Ich bin sehr gespannt auf den dritten Teil dieser interessanten Reihe.


Arno Frank - So, und jetzt kommst duSehr für sich einnehmen konnte mich Arno Frank mit seinem auf autobiografischen Erlebnissen basierenden Familienroman. Die Perspektive des heranwachsenden Jungen, der trotz der schwierigen Familiensituation nie ohne eine gewisse liebevolle Anteilnahme von seinem betrügerischen Vater und der lebensuntauglichen Mutter erzählt, ist sehr authentisch und berührend gelungen.

 

Diese Buch hat mich ganz schön gefordert. Fast neunhundert Seiten mit etlichen handelnden Personen. Aber das Buch ist gut gebaut, flüssig geschrieben und absolut fesselnd. Die Sprache allerdings ist extrem, voller Flüche, sexueller Anspielungen, homophob und brutal. Da war manchmal eine Atempause nötig.

 

Khemiri-Alles was ich nicht erinnere

 

Sehr gelungen finde ich das Buch des schwedischen Autors Khemiri. Der Tod Samuels wird von verschiedenen Positionen aus beleuchtet. Sehr eindrucksvoll werden Fragen nach der Wahrheit, nach Identität und Freundschaft gestellt.

 

Alice Adams - Als wir unbesiegbar waren

 

Eine Freundschaftsgeschichte über die Jahrzehnte hinweg erzählt Alice Adams. Das ist nichts Neues, ich lese solche Geschichten aber eigentlich immer sehr gern. Auch dieses Buch ist solide erzählt, wagt aber nichts, überrascht nicht, bleibt manches Mal in Klischees hängen und konnte mich deshalb nicht unbedingt überzeugen.

Donna Leon - Stille Wasser

 

Wie jedes Jahr im Mai war auch wieder Brunetti-Zeit: Der sechsundzwanzigste Fall führt den Commissario hinaus in die venezianische Lagune. Ein ruhiger, kluger Krimi mit einer typischen Leon-Botschaft.

 

Als Hörbuch habe ich noch J.L.Carrs „Ein Monat auf dem Land“ gehört. Ein bezauberndes kleines Büchlein, das ich unbedingt noch einmal lesen muss. Dann werde ich auch darüber schreiben.

Der Juni ist nun schon ein paar Tage alt, die erste Lektüre schon wieder beendet. Ich wünsche euch einen tollen Lesesommer!

(Fast) Alle Herbstvorschauen sind nun veröffentlicht!

Nahezu alle Verlagsvorschauen für den Herbst sind jetzt online und ich habe mich in den letzten Wochen durch sie durchgeblättert. Viele schöne und interessante Bücher habe ich gefunden. Die komplettierte Zusammenstellung findet ihr hier.

Jetzt gilt es, alles noch mal durchzuforsten und die absoluten Perlen herauszusuchen. Ich bin gespannt, wie die to read-Liste dann aussehen wird.

In einigen Vorstellungen habe ich erwähnt, dass ich das Buch auch deshalb lesen möchte, weil mir vorangegangene Bücher des Autors/der Autorin besonders gut gefallen haben. Um das ein bisschen zu „unterfüttern“, werde ich in der nächsten Woche ein paar „alte“ Rezensionen herauskramen und hier veröffentlichen. Vielleicht kann ich den ein oder anderen von euch neugierig machen.

Ein Blick in die Verlagsvorschauen Herbst 2017

Der Frühling hat gefühlt noch gar nicht begonnen und da sind sie schon wieder: Die Herbstvorschauen der Verlage. Und wie jedes Jahr sind natürlich noch nicht alle Frühjahrsbücher gelesen, geschweige denn das Buch aus dem vorletzten Jahr, das man doch so unbedingt noch hervorholen wollte. Und doch: Wie jedes Mal packt die Leserin ja doch die Neugier, die Vorfreude. Ja, ein bisschen wie Weihnachten im Mai.

Also natürlich doch ein Blick hinein. Und da sind sie, die teilweise schon heiß herbeigesehnten, teilweise aber auch völlig unbekannten Bücherschätze. Ich habe mich auch diesmal nur auf die Titel beschränkt, die mir für mich persönlich als wichtig und interessant erscheinen, sortiert nach Verlagen. Die Übersicht erhebt in keinster Weise Anspruch auf Vollständigkeit oder Objektivität. Sicher wird zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal ergänzt oder gestrichen. Ganz weggelassen habe ich den Großteil der Neuerscheinungen aus der Sparte Krimi/Thriller. Da verlasse ich mich auf zuverlässige Tippgeber/Rezensenten unter euch (ihr wisst schon, wer gemeint ist 😉 )

Fehlende Coverfotos werden gegebenenfalls ergänzt, sobald sie von Verlag bereitgestellt werden, ebenso werden die „Notverlinkungen“ zu amazon durch solche zu den Verlagsseiten ersetzt.

Ganz viel Spaß und Vorfreude beim Durchsehen! Bei mir heißt es jetzt prüfen und reduzieren, da es natürlich viel zu viele Titel sind, um aufmerksam gelesen zu werden (zumindest von mir allein). Weiterlesen „Ein Blick in die Verlagsvorschauen Herbst 2017“